In Sachsen-Anhalt zeichnet sich gut fünf Monate vor der Landtagswahl ein politischer Stresstest für das Parteiensystem ab. Die AfD liegt in Umfragen mit knapp 40 Prozent klar vor der CDU, die derzeit gut 25 Prozent erreicht. Auf einem Landesparteitag in Magdeburg präsentierte Spitzenkandidat Ulrich Siegmund die ambitionierte Zielmarke von „45 Prozent plus X“ und machte deutlich, dass die Partei nicht auf Koalitionsoptionen, sondern auf eine Alleinregierung setzt. Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.
Aktuell regiert in Magdeburg ein Dreierbündnis aus CDU, SPD und FDP. Die von Siegmund ausgerufene Strategie zielt darauf ab, dieses Modell grundsätzlich abzulösen. Er kündigte einen Wahlkampf an, „den Deutschland noch nicht gesehen hat“ – finanziell unterlegt mit einem geplanten Budget von 1,4 Millionen Euro. Die AfD will damit ihre Spitzenposition in den Umfragen ausbauen und den Anspruch untermauern, in Sachsen-Anhalt erstmals selbst die Regierungschefin oder den Regierungschef zu stellen.
Politisch stellt die Partei die Weichen auf Kurswechsel. Sie plant nach eigenen Angaben „radikale Maßnahmen“, darunter eine deutlich verschärfte Migrationspolitik mit einer „Abschiebe- und Remigrationsoffensive“ sowie tiefgreifende Eingriffe in die Medienordnung: So sollen die Rundfunkstaatsverträge gekündigt werden. Fördermittel des Landes will die AfD künftig nur noch an Vereine vergeben, die ein entsprechendes Bekenntnis zu ihren Kriterien abgeben. Befürworter sehen darin einen Bruch mit bisherigen Konsensen der Landespolitik, Kritiker warnen vor einem Eingriff in etablierte Strukturen von Zivilgesellschaft und öffentlichem Rundfunk.
Die rechnerische Option einer Alleinregierung hängt nicht nur vom AfD-Ergebnis, sondern auch von den kleineren Parteien ab. Sollten Grüne, FDP oder das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) an der Fünfprozenthürde scheitern, könnte die AfD auch mit weniger als 50 Prozent der Stimmen eine absolute Mehrheit der Sitze erlangen. Damit würde Sachsen-Anhalt zum ersten Bundesland, in dem die Partei eigenständig die Regierung stellt – ein Novum mit Signalwirkung für die bundesweite Parteienlandschaft, das weit über die Landesgrenzen hinaus aufmerksam verfolgt werden dürfte.

Der Autokonzern Stellantis verschärft den Stellenabbau in der Opel-Entwicklung am Stammsitz Rüsselsheim. Die Zahl der Ingenieurinnen und Ingenieure im Entwicklungszentrum soll von derzeit rund 1650 auf künftig 1000 sinken. Damit würde mehr als jede dritte Stelle in dem Bereich entfallen. Bereits seit der Übernahme von Opel durch die damalige Peugeot-Mutter PSA im Jahr 2017 fahren die neuen Eigentümer einen harten Schrumpfkurs: Damals waren noch rund 7000 Entwickler bei Opel beschäftigt, ganze Abteilungen wurden seither geschlossen, zahlreiche Fachleute verließen das Unternehmen, teils in Richtung des Ingenieurdienstleisters Segula.
Der nun geplante Abbau lässt sich nach Unternehmensangaben nicht mehr vollständig über die bis 2029 vereinbarten Ausstiegsprogramme auffangen. Stellantis hat deshalb den Betriebsrat informiert und strebt eine einvernehmliche Lösung an. Denkbar sind zusätzliche Abfindungsprogramme, über deren konkrete Ausgestaltung noch beraten werden soll. Der Konzern betont, organisatorische Maßnahmen würden erst umgesetzt, nachdem der Betriebsrat detailliert informiert und angehört worden sei und ein konstruktiver Dialog mit dem Sozialpartner stattgefunden habe.
Parallel zum Personalabbau versucht Stellantis, den Standort strategisch zu verankern. Das neu strukturierte „Tech Center“ in Rüsselsheim soll im globalen Entwicklungsnetzwerk des Konzerns eine feste Rolle spielen. Die Ingenieure dort werden künftig Fahrzeuge der Marken Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall entwickeln. Zudem sind sie konzernweit für Querschnittsthemen wie Beleuchtung, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Fahrerassistenzsysteme und Batterieentwicklung zuständig. Opel-Personalchef Ralph Wangemann verweist in diesem Zusammenhang auf ein strategisches Bekenntnis zum Standort Rüsselsheim.
Die erneute Verkleinerung der deutschen Entwicklungsabteilung erfolgt vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Umbaus der weltweiten Autoindustrie. Stellantis bündelt Kompetenzen und verschiebt Aufgaben innerhalb des Konzerns, während sich Opel gleichzeitig im Wettbewerb um künftige Elektro- und Softwarearchitekturen behaupten muss. Für die Belegschaft in Rüsselsheim bedeutet der Umbau eine weitere Runde von Verhandlungen über Abfindungen und Perspektiven – und für den Standort den Spagat zwischen dem Verlust hochqualifizierter Arbeitsplätze und der Zusage, als technisches Zentrum im Stellantis-Verbund erhalten zu bleiben.