Dax stabilisiert sich trotz Iran-Krieg – Inflation und Ölpreis im Fokus

01.04.2026


Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag seine Vortageserholung fortgesetzt, wenn auch mit gebremstem Tempo. Der Dax legte zuletzt um 0,7 Prozent auf 22.728 Punkte zu. Damit deutet sich für den Leitindex trotz der freundlichen Tendenz zum Monatsende weiterhin ein Rückgang im März von rund zehn Prozent an. Der X-Dax hatte zum Handelsstart ein Plus von rund 0,4 Prozent auf etwa 22.650 Zähler signalisiert. Der MDax der mittelgroßen Werte rückte am späten Vormittag um 1,0 Prozent auf 28.067 Punkte vor, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,6 Prozent.

Im Hintergrund bleibt die angespannte Lage im Nahen Osten der zentrale Belastungsfaktor. Der Iran setzte rund einen Monat nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe den Beschuss benachbarter Golfstaaten mit ballistischen Raketen und Drohnen fort. Vor der Küste Dubais wurde ein kuwaitischer Öltanker getroffen; zudem meldeten Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate erneute Angriffe in der Nacht. Die Ölpreise verharren vor diesem Hintergrund auf hohem Niveau: Ein Fass der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete zuletzt gut 107 bis knapp 108 US-Dollar und damit ähnlich viel wie am Vortag.

Der Ölpreisschub schlägt zunehmend auf die Inflation im Euroraum durch und rückt die Geldpolitik in den Mittelpunkt der Marktdiskussion. Die Verbraucherpreise in der Eurozone zogen im März im Jahresvergleich um 2,5 Prozent an, nach 1,9 Prozent im Februar. Volkswirte hatten im Schnitt 2,6 Prozent erwartet. Der Anlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank rechnet damit, dass die anziehenden Öl- und Gaspreise die Debatte um weitere Zinsschritte verschärfen: An den Märkten sind bis zum Jahresende rund drei Zinserhöhungen im Euroraum eingepreist.

Auf Einzeltitelebene sorgten vor allem Werte aus dem MDax für Bewegung. Die Aktien von Redcare Pharmacy setzten ihre bereits am Vortag dynamisch gestartete Erholung fort und führten den Index zeitweise klar an. Die Papiere stiegen um weitere 8,1 Prozent. Das Bankhaus Metzler führte das Interesse der Anleger vor allem auf Reformvorschläge für das deutsche Krankenkassensystem zurück, die aus Sicht des Markts das Geschäftsmodell der Online-Apotheke stützen könnten. Dagegen gerieten die Anteilsscheine der Norma Group nach einem vorsichtigen Ausblick des Verbindungstechnikherstellers und Autozulieferers unter Druck. Der Konzern stellt für das laufende Jahr lediglich ein Umsatzplus von bis zu 2 Prozent in Aussicht, im negativen Szenario wäre auch Stagnation möglich. Zudem soll die Dividende von 40 auf 14 Cent je Aktie sinken. Nach zuletzt deutlichen Kursgewinnen von fast 14 Prozent binnen fünf Handelstagen gaben die Papiere moderat nach.

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Störung auf der Nord-Süd-Achse: Bahnverkehr rund um Hamburg nur eingeschränkt

01.04.2026


Eine beschädigte Oberleitung im Raum Uelzen hat seit Montagabend den Zugverkehr auf mehreren zentralen Fernverkehrsachsen rund um Hamburg spürbar beeinträchtigt. Betroffen sind vor allem die Strecken zwischen Hamburg und Berlin sowie Hamburg und Hannover, auf denen es zu Zugausfällen, Umleitungen und teils deutlichen Verspätungen kommt. Nach Angaben der Deutschen Bahn und des Bahnunternehmens Metronom musste der Betrieb zeitweise komplett unterbrochen werden, bevor am frühen Dienstagmorgen schrittweise ein Gleis wieder freigegeben werden konnte.

Im Fernverkehr strich die Deutsche Bahn mehrere ICE-Verbindungen vollständig. Auf der Verbindung Hamburg–Berlin fallen alle ICE-Züge aus, die über Stendal, Salzwedel und Uelzen geführt werden. Auch ICE-Linien von Hamburg nach München sind betroffen: Die Trassen über Berlin, Leipzig, Erfurt und Nürnberg sind im Abschnitt zwischen Hamburg und Berlin eingeschränkt, ebenso die Verbindung Hamburg–München über Hannover, Kassel, Fulda, Würzburg und Nürnberg im Abschnitt zwischen Hamburg und Hannover. Andere ICE- und IC-Züge auf der Relation Hamburg–Hannover werden über eine alternative Route umgeleitet und kommen nach Bahnangaben mit rund 30 Minuten Verspätung ans Ziel; die planmäßigen Zwischenhalte in Lüneburg, Uelzen und Celle entfallen dabei.

Der Regionalverkehr in Niedersachsen ist ebenfalls von der Oberleitungsstörung betroffen. Zwischen Uelzen und Bad Bevensen, wo der Schaden lokalisiert wurde, wurde die Strecke am Montagabend nach Unternehmensangaben von Metronom ab 20 Uhr komplett gesperrt. Für Fahrgäste richtete der Betreiber einen Ersatzverkehr mit Bussen ein. Am frühen Dienstagmorgen konnte der Abschnitt zumindest eingleisig wieder in Betrieb genommen werden, dennoch kommt es weiter zu Teilausfällen und Verspätungen. Weil Züge in der Nacht nicht wie geplant abgestellt werden konnten, wirkt sich die Störung zusätzlich auf die Umläufe am Morgen aus.

Die Deutsche Bahn arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an der Entstörung. Eine Sprecherin teilte am Morgen mit, die eigentliche Streckensperrung sei seit 6 Uhr aufgehoben. Wegen der dichten Zugfolge und der notwendigen Umleitungen sei im Laufe des Vormittags aber noch mit Verspätungen und einzelnen Ausfällen im Fernverkehr zu rechnen. Im Regionalverkehr läuft der Betrieb schrittweise wieder an. Im Tagesverlauf soll sich der Zugverkehr laut Bahnangaben normalisieren, sobald die Oberleitungsarbeiten vollständig abgeschlossen sind und die Fahrpläne wieder regulär gefahren werden können.