In Sachsen stellen sich Gewerkschaften und Parteien auf einen deutlich belebteren Tag der Arbeit ein. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) organisiert am 1. Mai Demonstrationen, Kundgebungen und weitere Aktionen in 18 Städten, darunter Dresden, Leipzig, Chemnitz, Görlitz und Plauen. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach sicheren Arbeitsplätzen und besseren Arbeitsbedingungen. Bereits im vergangenen Jahr waren landesweit rund 23.000 Menschen auf die Straße gegangen, diesmal rechnet der DGB angesichts der aufgeheizten Debatte über den Sozialstaat mit einem spürbaren Plus.
Der Dachverband stellt seine Aktivitäten unter das Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“. Die Botschaft zielt klar auf die Verteilung von Lasten in wirtschaftlich angespannten Zeiten. In seinem Aufruf betont der DGB, Beschäftigte dürften nicht für Krisen oder Fehlentscheidungen verantwortlich gemacht werden. Vielmehr seien sie es, „die täglich den Laden am Laufen halten“. Entsprechend fordern die Gewerkschaften, Arbeitsplätze stärker zu sichern und Investitionen in die Zukunft auszubauen.
Die Diskussionen über den Sozialstaat verschaffen den Kundgebungen zusätzliche Dynamik. Eine Sprecherin des DGB in Sachsen führt die erwartete höhere Beteiligung ausdrücklich auf diese Auseinandersetzungen zurück. Für die Gewerkschaften bietet die aktuelle Lage eine Gelegenheit, ihre Kernforderungen nach verlässlicher Beschäftigung, planbaren Einkommen und zeitgemäßen Arbeitsbedingungen mit größerer Reichweite zu platzieren und den Druck auf Politik und Unternehmen zu erhöhen.
Parallel zu den gewerkschaftlichen Aktionen nutzen auch Parteien den 1. Mai als politische Bühne. In Dresden wird der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla zu einer Veranstaltung auf dem Neumarkt erwartet, wie der Landesverband mitteilte. Zudem haben SPD und Linke nach Angaben der Stadtverwaltung eigene Veranstaltungen angemeldet. Damit dürfte der Tag der Arbeit in Sachsen nicht nur ein Gradmesser für die Mobilisierungsfähigkeit der Gewerkschaften werden, sondern auch ein Seismograf für die parteipolitischen Auseinandersetzungen um die künftige Ausrichtung von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.
In Thüringen ist ein großangelegtes Forschungsprojekt zur nächsten Generation der Nanostrukturierung gestartet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität Ilmenau, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena entwickeln gemeinsam eine Hochpräzisionsmaschine, die Nanostrukturen auf Flächen von bis zu einem Quadratmeter erzeugen und vermessen soll. Die geplante 3D-Nanolithographie- und Nanomessmaschine (3D-NLM) soll dabei eine Positionierungsgenauigkeit erreichen, die kleiner ist als ein Atom. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt die erste Projektphase bis 2027 im Rahmen des Programms „Neue Geräte für die Forschung“ mit vier Millionen Euro.
Mit dem Vorhaben zielt das Konsortium auf eine Größenordnung, die bestehende Anlagen deutlich übertrifft. Bisher lassen sich hochpräzise Nanostrukturen auf photonischen Bauteilen nach Angaben der Projektbeteiligten nur bis zu einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern zuverlässig herstellen. Die neue Anlage soll Bearbeitungen und Messungen von Bauteilen mit Kantenlängen von bis zu einem Meter ermöglichen – und damit eine mehr als dreifache Vergrößerung der nutzbaren Fläche erschließen. Die Entwicklungsarbeiten an der Maschine sind angelaufen; das Gesamtprojekt ist in drei Phasen bis 2032 angelegt.
Nanostrukturen gelten seit rund zwei Jahrzehnten als Schlüsseltechnologie, weil sie Licht gezielt beeinflussen können, indem sie dessen Wellenlänge und Ausbreitung steuern. Solche Strukturen finden sich bereits heute in großflächigen Bauteilen, etwa in Displays moderner Fernsehgeräte, die auf Nanotechnologie basieren. Nach Einschätzung der Forscherinnen und Forscher reicht die Genauigkeit bestehender industrieller Lösungen jedoch nicht aus, um künftige Anforderungen in zentralen wissenschaftlichen und technologischen Anwendungsfeldern zu erfüllen.
Die in Thüringen entstehende 3D-NLM soll genau diese Lücke adressieren. Perspektivisch könnte die Maschine zur Fertigung und Charakterisierung elektronischer und photonischer Schaltkreise ebenso eingesetzt werden wie zur Herstellung von Hochleistungsoptiken für die Erdbeobachtung. Auch in der Energieforschung sehen die Projektpartner potenzielle Einsatzfelder. Durch die Kombination aus großflächiger Bearbeitung und atomnaher Präzision erhoffen sich die Beteiligten einen technologischen Sprung, der sowohl der Grundlagenforschung als auch der Entwicklung neuer Komponenten in der Optik- und Elektronikindustrie zugutekommen könnte.