
Eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg und die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus haben am Mittwoch eine breit angelegte Rally an der Wiener Börse ausgelöst. Der Leitindex ATX sprang um 4,07 Prozent auf 5.665,08 Punkte und gehörte damit zu den stärksten Gewinnern in Europa. Marktteilnehmer verwiesen auf den abrupten Rückgang der Ölpreise, nachdem der Iran Signale gesendet hatte, die für den Welthandel zentrale Meerenge wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen – eine zentrale Bedingung der USA für die vereinbarte Feuerpause.
Der Kursanstieg in Wien fügte sich in ein europaweit freundliches Bild. An den großen Leitbörsen legten die Indizes deutlich zu, während Ölwerte unter Druck gerieten. Für die Aktienmärkte gilt die Straße von Hormus als neuralgischer Punkt: Über die Meerenge laufen nicht nur große Volumina von Öl und Gas, sondern auch andere Güterströme. Die Aussicht auf eine Entspannung der Versorgungslage dämpfte Risikoaufschläge an den Energiemärkten und stärkte die Risikobereitschaft der Anleger.
In diesem Umfeld griffen Investoren vor allem bei konjunktursensiblen Werten zu. Spitzenreiter im Prime-Market-Segment war die Aktie des Cateringkonzerns Do&Co, die um 14,6 Prozent zulegte. Die Papiere des Luftfahrtzulieferers FACC kletterten um fast elf Prozent. Europaweit zählten Titel aus der Reise- und Unterhaltungsbranche im Sektorvergleich zu den größten Gewinnern – ein indirekter Profiteur der sinkenden Treibstoffkosten und der abnehmenden Sorgen vor weiteren Störungen im internationalen Luft- und Seeverkehr.
Auch Industrietitel nutzten das günstige Sentiment. Die Aktien von voestalpine sprangen in einem starken Gesamtmarkt um 10,8 Prozent nach oben. Der Stahl- und Technologiekonzern hatte Aufträge aus der Luftfahrt mit einem Gesamtvolumen von rund einer Milliarde Euro über fünf Jahre gemeldet, das nach Unternehmensangaben größte Auftragsvolumen für die zuständige Division. Produziert werden die Teile an Standorten in Kapfenberg und Mürzzuschlag in der Steiermark sowie in Brasilien. Mindestens achtprozentige Zuwächse verzeichneten zudem AT&S, Palfinger, RHI und Wienerberger, während der Anlagenbauer Andritz um 5,5 Prozent zulegte.
Kehrseite der Medaille waren die Energie- und Versorgerwerte. Belastet vom Ölpreisrutsch gab die Aktie des Öl- und Gaskonzerns OMV um 4,4 Prozent nach. Auch EVN und Verbund schlossen im Minus, mit Abschlägen von 0,7 beziehungsweise 3,1 Prozent. Trotz der schwächeren Performance im Energie- und Versorgersektor überwog am Wiener Markt klar der Optimismus – gestützt von der Aussicht auf vorübergehende Entspannung im Konflikt am Golf und kräftigen Impulsen aus der Industrie- und Reisebranche.

Steigende Dieselpreise und klimapolitischer Druck verändern die Kalkulation im deutschen Güterverkehr. Elektro-Lkw, lange als zu teuer und zu unpraktisch eingestuft, werden für einzelne Speditionen inzwischen zu einer betriebswirtschaftlich ernstzunehmenden Alternative. Beispiel WP Spedition in Zwickau: Von rund 350 Lastwagen im Fuhrpark fahren bereits neun rein elektrisch. Der erste E-Lkw wurde Ende 2023 in Betrieb genommen, die positiven Praxiserfahrungen führten zügig zu weiteren Bestellungen, berichtet Fuhrparkleiter Mike Henniger. Trotz etwa doppelt so hoher Anschaffungskosten rechneten sich die Fahrzeuge dank eigener Ladesäulen auf dem Betriebshof und der Mautbefreiung, sagt er.
Im Alltag verschieben sich damit Routinen. Kraftfahrer Uwe Lenk, der mit einem 40-Tonner nach Hessen unterwegs ist, tankt nach der Tour keinen Diesel mehr, sondern steckt den Stecker an die betriebseigene Ladestation. Er beschreibt das Fahren im Elektro-Lkw als "ganz anders": kein Schalten, deutlich leiser und mit sofort verfügbarer Leistung von bis zu 800 PS. Für die Logistikfirmen sind jedoch weniger Fahrkomfort und Fahrdynamik ausschlaggebend als die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer – und hier beginnen sich durch hohe Kraftstoffpreise und regulatorische Vorteile die Gewichte langsam zu verschieben.
In den Neuzulassungsstatistiken ist der Wandel erkennbar, wenn auch noch auf niedrigem Niveau. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes war 2025 in Deutschland jeder achte neu zugelassene Lastwagen kein herkömmlicher Diesel mehr, sondern wurde mit Strom, Wasserstoff, Gas betrieben oder war ein Hybrid. 2021 lag der Anteil alternativer Antriebe bei Lkw erst bei 5,8 Prozent. Klar dominieren dabei batterieelektrische Fahrzeuge: Fast 27.300 im vergangenen Jahr neu zugelassene Lkw fuhren rein elektrisch. Rund 7.300 waren Hybrid-Fahrzeuge, knapp 1.700 gasbetrieben. Brennstoffzellen-Lkw spielen mit 107 Neuzulassungen bislang kaum eine Rolle.
Trotz des Zuwachses bleibt der Straßengüterverkehr bei der Antriebswende deutlich hinter anderen Segmenten zurück. Bei Pkw entfallen bereits 59 Prozent der Neuzulassungen auf alternative Antriebe, bei Omnibussen gut 42 Prozent. Im Bestand schwerer Lkw liegt der Anteil elektrischer Fahrzeuge nach Branchenschätzungen deutlich unter einem Prozent. Gerade bei Sattelzügen fällt die Bilanz schwach aus. Auf den Straßen sind Elektro-Lastwagen daher bislang eher Ausnahmeerscheinungen. Branchenvertreter wie Dirk Engelhardt vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung verweisen auf hohe Investitionskosten und fehlende öffentliche Ladepunkte als zentrale Hürden – in einer Branche, die zugleich unter gestiegenen Dieselpreisen leidet.
Die Politik versucht gegenzusteuern. Die Bundesregierung plant den Aufbau eines Schnellladenetzes entlang der Autobahnen, um den Einsatz schwerer Elektro-Lkw auch im Fernverkehr zu erleichtern. Bislang existieren jedoch nur wenige öffentlich zugängliche Ladepunkte, was den wirtschaftlichen Betrieb jenseits von Werks- und Depotverkehren erschwert. Speditionen wie WP in Zwickau setzen deshalb auf eigene Ladeinfrastruktur, um Planungssicherheit zu gewinnen und Standzeiten zu kontrollieren. Experten fordern eine rasche Ausweitung der Ladeinfrastruktur, damit betriebswirtschaftlich motivierte Einzelentscheidungen in der Fläche Wirkung entfalten und aus ersten Pilotflotten ein breiter Markt für Elektro-Lkw entstehen kann.