Raus aus der US-Cloud: Neues Stadtwerke-Rechenzentrum soll regionale Datenhoheit stärken

12.03.2026


Die Stadtwerke Lübeck haben ihr erstes eigenes Rechenzentrum offiziell in Betrieb genommen und positionieren sich damit als regionale Alternative zu internationalen Cloud-Anbietern. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen aus Lübeck und Umgebung können sensible und geschäftskritische Daten künftig direkt vor Ort speichern und verarbeiten. Nach Angaben des Versorgers sind bereits zum Start ein Großteil, teils rund 80 Prozent, der Serverkapazitäten der ersten Ausbaustufe vergeben. Die nächste Ausbauphase ist bereits beschlossen.

„Das Rechenzentrum ist ein Meilenstein für Lübeck. Wir schaffen eine digitale Infrastruktur, die Sicherheit, Unabhängigkeit und Energieeffizienz vereint – und wir tun das bewusst in kommunaler Verantwortung“, sagte Dr. Jens Meier, CEO der Stadtwerke Lübeck Gruppe. Digitale Daseinsvorsorge sei eine zentrale Aufgabe der Stadtwerke, betonte er. Die Nachfrage spiegele den Trend weg von weit entfernten Cloud-Standorten hin zu regional verankerten Angeboten wider; viele Kunden hatten zuvor Dienste internationaler Anbieter oder Rechenzentren in Hamburg genutzt.

Technisch ist die Anlage auf besonders sensible und geschäftskritische Anwendungen ausgelegt. Alle zentralen Systeme sind mehrfach redundant aufgebaut, um den Betrieb auch bei Störungen sicherzustellen. Eine leistungsfähige Netzanbindung sowie moderne Schutzmechanismen gegen Cyberangriffe sollen die Verfügbarkeit erhöhen und die regionale Datenhoheit absichern. Die Stadtwerke sehen darin einen Standortvorteil für Wirtschaft, Verwaltung und Betreiber kritischer Infrastrukturen in der Region.

Das Betriebskonzept des Rechenzentrums zielt zugleich auf Energieeffizienz. Der Strom stammt vorrangig aus zwei Blockheizkraftwerken mit jeweils 100 Kilowatt elektrischer Leistung im benachbarten Umspannwerk sowie aus einer Photovoltaikanlage auf dem Gebäudedach. Die beim Betrieb der Anlagen entstehende Abwärme wird genutzt, um das entstehende Quartier Geniner Ufer mit Wärme zu versorgen. Überschüssiger Strom aus der Eigenproduktion wird in das öffentliche Netz eingespeist.

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Von Moskau und Thailand aus gesteuert: Ermittler nehmen rechtsextremen Verlagsunternehmer ins Visier

14.03.2026


Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe geht mit einer großangelegten Razzia gegen ein mutmaßlich europaweit agierendes rechtsextremes Verlagsnetzwerk vor. Im Zentrum der Ermittlungen steht der Verlag „Der Schelm“, der seit Jahren antisemitische Schriften, Nachdrucke aus der Zeit des Nationalsozialismus sowie rassistische und den Holocaust leugnende Veröffentlichungen über einen Onlineversand vertreibt. Die Durchsuchungen begannen am Mittwochmorgen zeitgleich in mehreren Bundesländern sowie im Ausland und richten sich gegen insgesamt acht Beschuldigte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden sechs Männern und zwei Frauen deutscher Herkunft vorgeworfen, zwischen 2022 und 2024 in mindestens 488 Fällen gemeinschaftlich volksverhetzende Druckwerke hergestellt, verbreitet, geliefert und gelagert zu haben. Zu den Beschuldigten zählen unter anderem zwei Druckereibesitzer, ein Grafiker, ein IT-Spezialist und der Inhaber eines Business-Centers. Ein Druckereibesitzer soll Beihilfe geleistet haben. Hauptbeschuldigter ist der aus Leipzig stammende Verlagsinhaber Adrian P., der seit Jahren im Ausland lebt und laut früheren Angaben bereits einmal einer Auslieferung entgangen sein soll.

Bundesweit rückte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit Unterstützung örtlicher Polizeikräfte aus. Durchsucht wurden Wohnungen und Geschäftsräume in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, darunter nach rbb-Informationen Standorte in Leipzig, Pforzheim, Neuenbürg, Bottrop, Schönwald und Wertheim. Parallel dazu koordinierten die Karlsruher Ermittler Maßnahmen im Ausland: In Polen wurde eine Druckerei überprüft, in Spanien nahmen sich Beamte eine Lagerhalle sowie weitere Privat- und Firmenräume vor.

Die Einsatzkräfte stellten umfangreiche Beweismittel sicher, darunter gedruckte Schriften, Bestelllisten, Propagandamaterial, NS-Devotionalien sowie Computer und Datenträger. Der Verlag „Der Schelm“ bietet nach übereinstimmenden Recherchen seit mindestens einem Jahrzehnt rund 100 Nachdrucke antisemitischer Bücher und Schriften aus der NS-Zeit sowie weitere in Deutschland verbotene Titel an. Ermittler sehen in den aktuellen Maßnahmen einen weiteren Schritt, die Vertriebsstrukturen des Netzwerks zu zerschlagen und die Verantwortung der mutmaßlichen Betreiber strafrechtlich aufzuarbeiten.