Tragödie in Crans-Montana: Justiz untersucht mögliches Verwaltungsversagen

10.03.2026


Die Walliser Staatsanwaltschaft hat ihre strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Crans-Montana deutlich ausgeweitet. Neben den bereits unter Anklage stehenden Betreibern der Unglücksbar "Le Constellation", Jacques und Jessica Moretti, sowie einem aktuellen und einem ehemaligen Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde, stehen nun auch Bürgermeister Nicolas Féraud und vier weitere Personen mit aktuellen oder früheren Funktionen in der Gemeindeverwaltung unter Verdacht. Die Ermittlungen richten sich gegen insgesamt neun Personen.

Bürgermeister Féraud und die vier weiteren neu hinzugekommenen Beschuldigten – darunter ein ehemaliger Gemeinderat, der zwischen 2021 und 2024 für öffentliche Sicherheit zuständig war, der damalige Brandschutzverantwortliche mit seinem Stellvertreter sowie ein Mitglied des aktuellen Teams für öffentliche Sicherheit – müssen sich wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung verantworten. Dies sind dieselben Anklagepunkte, die auch gegen die Bar-Betreiber erhoben wurden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Aufnahme der Ermittlungen gegen die fünf weiteren Personen am Montag.

Der Brand in der Bar "Le Constellation" in der Neujahrsnacht kostete 41 Menschen das Leben, darunter sechs Italiener, und zählt zu den schwersten Katastrophen der modernen Schweizer Geschichte. 115 weitere Personen wurden bei dem Feuer verletzt, viele von ihnen mit schweren Verbrennungen, die weiterhin stationär behandelt werden müssen. Die Tragödie hat auch die Beziehungen zur Nachbarnation Italien belastet und Schockwellen durch den für die Region wichtigen Tourismussektor gesendet.

Bürgermeister Féraud hatte sich bereits im Januar zu Versäumnissen bei den jährlichen Sicherheitskontrollen geäußert und sein Bedauern bekundet. Die Justizbehörden haben ihre Untersuchungen, die sich zunächst auf die französischen Barbesitzer konzentrierten, Ende Januar erstmals auf Gemeindeangestellte ausgeweitet. Die nun erfolgte Erweiterung der Ermittlungen auf den Bürgermeister und weitere Verwaltungsmitarbeiter unterstreicht den umfassenden Charakter der Untersuchungen zu möglichem administrativem Versagen im Vorfeld der Katastrophe.

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Starke Zahlen, harter Einschnitt: Zalando wächst zweistellig und macht Logistikstandort Erfurt dicht

14.03.2026


Zalando hat für das Geschäftsjahr 2025 deutlich verbesserte Kennzahlen vorgelegt und setzt zugleich ein starkes Signal an den Kapitalmarkt: Der Berliner Online-Modehändler steigerte den Konzernumsatz um 16,8 % auf 12,3 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT legte um 15,6 % auf 591 Millionen Euro zu. Der Kurs reagierte spürbar: Nach der Zahlenvorlage legte die im DAX notierte Aktie kräftig zu und machte einen Teil der vorangegangenen Verluste wett. Auf Wochensicht verteuerte sich das Papier um rund 12 %, auf Monatssicht ergibt sich ein Plus im niedrigen einstelligen Prozentbereich, auch wenn die Bilanz seit Jahresbeginn weiterhin negativ bleibt.

Getrieben wird die Entwicklung vor allem durch Zalandos strategischen Fokus auf Daten und Künstliche Intelligenz. Das Unternehmen nutzt KI über die gesamte Daten- und Infrastrukturplattform hinweg und positioniert sich als Vorreiter für die nächste Generation des sogenannten agentic commerce in Europa. Im B2C-Geschäft zahlt sich insbesondere der Multi-App-Ansatz aus: Das Bruttowarenvolumen stieg auf 17,6 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT in diesem Segment kletterte auf 536 Millionen Euro. Die Zahl der aktiven Kundinnen und Kunden erreichte mit 62 Millionen einen neuen Rekordwert, was auf eine weiter steigende Reichweite der Plattform hindeutet.

Auch im B2B-Bereich läuft das Geschäft deutlich besser. Zalando meldet einen Umsatzanstieg um 14,6 % auf 1,1 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT hat sich mehr als verdoppelt. Die Softwareeinheit SCAYLE expandiert in die USA und konnte dort einen bedeutenden Auftrag für das globale Direktvertriebsgeschäft von Levi's® gewinnen. Zusätzlichen Rückenwind verspricht sich der Konzern von der Integration des übernommenen Modehändlers ABOUT YOU: Die ursprünglich bis 2029 erwarteten jährlichen Synergien von 100 Millionen Euro sollen nun bereits 2028 realisiert werden. Für 2026 stellt das Management eine weitere Beschleunigung und anhaltend profitables Wachstum in Aussicht und sieht das Unternehmen damit auf Kurs zu seinen mittelfristigen Zielen bis 2028.

Vor diesem Hintergrund kündigte Zalando ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 300 Millionen Euro an. Damit will der Konzern überschüssiges Kapital an die Anteilseigner zurückführen und unterstreicht zugleich sein Vertrauen in die eigene Fähigkeit zur Margenausweitung und nachhaltigen Cash-Generierung. An der Börse kam die Ankündigung gut an: Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 5,7 Milliarden Euro, basierend auf etwa 264 Millionen ausstehenden Aktien. Analysten und Anleger beobachten nun, inwieweit die Kombination aus KI-Investitionen, internationalem Ausbau des B2B-Geschäfts und konsequenter Kapitalallokation die bisherige Kursvolatilität reduzieren und den Wert des Unternehmens langfristig stützen kann.

Überschattet werden die starken Zahlen jedoch von der Entscheidung, das große Logistikzentrum in Erfurt zum Ende September zu schließen. Der Thüringer Standort, der seit Jahren ein wichtiger Baustein im europäischen Logistiknetzwerk von Zalando war, steht damit vor dem Aus. Die Schließung sorgt regional für Kritik und wirft Fragen nach den sozialen und strukturellen Folgen für Beschäftigte und Standort auf. Für Zalando ist der Schritt Teil einer umfassenden Neuaufstellung der operativen Infrastruktur, bei der Effizienzgewinne und die zunehmende Automatisierung im Logistikbereich eine zentrale Rolle spielen dürften. Wie sich der Umbau konkret auf Kostenstruktur, Servicequalität und öffentliche Wahrnehmung auswirkt, bleibt eine der zentralen Fragen für die kommenden Jahre.