
Die Verkehrsministerinnen und -minister der Länder haben sich auf ihrer Konferenz in Lindau am Bodensee auf zwei zentrale Weichenstellungen geeinigt: Eine umfassende Reform des Führerscheinerwerbs und ein neues, automatisiertes Preissystem für das Deutschlandticket im Nah- und Regionalverkehr. Beides zielt auf mehr Planbarkeit und geringere Einstiegshürden – sowohl für Fahrschülerinnen und Fahrschüler als auch für Pendler und den öffentlichen Verkehr insgesamt. Gleichzeitig fordern die Länder vom Bund zusätzliche Mittel, um das bestehende Angebot von Bussen und Bahnen im Regionalverkehr zu sichern.
Für das bundesweit gültige Deutschlandticket, das seit Jahresbeginn 63 Euro im Monat kostet, soll der Preis ab dem kommenden Jahr nicht mehr politisch ausgehandelt, sondern über einen Indexmechanismus bestimmt werden. Der genaue Ticketpreis für 2027 soll nach dem Beschluss der Ministerrunde spätestens Ende September feststehen. Grundlage ist ein Kostenindex, der Personal-, Energie- und allgemeine Kosten abbildet. Ab 2028 soll zudem ein Dämpfungsfaktor greifen, der steigende Verkaufszahlen berücksichtigt und mögliche Preissprünge abfedern könnte. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, Vorsitzender der Konferenz, dämpfte Befürchtungen deutlich zweistelliger Aufschläge und verwies darauf, der Preis werde attraktiv bleiben.
Parallel stützt die Konferenz die von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder angestoßene Reform des Führerscheins. Ziel ist ein stärker digitalisiertes, bürokratiearmes und am Ende günstigeres System, ohne die Verkehrssicherheit zu beeinträchtigen. Angesichts zuletzt rückläufiger Anmeldezahlen in den Fahrschulen sehen die Länder besonderen Zeitdruck: Viele potenzielle Fahrschüler warten in der Hoffnung auf sinkende Kosten ab. Schnieder strebt an, das Gesetzgebungsverfahren noch in diesem Jahr abzuschließen und die Neuregelung zum 1. Januar 2027 in Kraft zu setzen.
Kernpunkte der geplanten Novelle sind eine deutliche Reduzierung der vorgeschriebenen Sonderfahrten – von derzeit zwölf auf mindestens drei –, mehr digitale und flexible Lernformen von Präsenzunterricht bis Online-Modulen sowie ein um rund 30 Prozent verkürzter Fragenkatalog für die Theorieprüfung. Die konkrete Ausgestaltung der Fahrten soll im Ermessen der Fahrschulen liegen. Zusätzlich soll eine sogenannte Laienausbildung über eine Experimentierklausel erprobt werden, bei der Fahrschüler begleitet mit erfahrenen Fahrerinnen und Fahrern unterwegs sind. Beim Thema Sicherheit für Bahnpersonal verzichteten die Ministerinnen und Minister dagegen auf eine zentrale Forderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft: Eine generelle Doppelbesetzung mit Zugbegleiterinnen und -begleitern wird vorerst nicht kommen.

Die Zahl der Arbeitsunfälle in Deutschland sinkt weiter, doch das Sicherheitsgefühl vieler Beschäftigter in Krisenszenarien bleibt verhalten. Nach vorläufigen Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gab es 2025 rund 730.598 meldepflichtige Arbeitsunfälle – etwa 24.000 weniger als im Jahr zuvor. Vor drei Jahrzehnten lag die Zahl noch bei über 1,6 Millionen, vor zehn Jahren bei knapp 870.000. Auch die Zahl der Todesfälle infolge eines Arbeitsunfalls ging zurück: 335 Menschen kamen 2025 ums Leben, zehn weniger als im Vorjahr. Insgesamt sind rund 68 Millionen Menschen in Deutschland gegen Arbeits- und Wegeunfälle, Schulunfälle sowie Berufskrankheiten versichert.
Die DGUV führt die positive Entwicklung vor allem auf verstärkte Prävention zurück: Brandschutzübungen, Erste-Hilfe-Schulungen sowie Notfall- und Krisenpläne sind in vielen Betrieben etabliert. Das DGUV-Barometer „Arbeitswelt 2026“, eine repräsentative Befragung von Erwerbstätigen, zeigt gleichzeitig eine breite inhaltliche Unterstützung für diesen Kurs. 90 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Prävention Unternehmen stärkt und die Krisenfestigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland erhöht. Besonders hoch ist die Zustimmung zu konkreten Maßnahmen wie der Benennung und Qualifizierung von Ersthelfenden, Brandschutzhelfenden und Sicherheitsbeauftragten.
Gleichzeitig offenbaren die Umfragen spürbare Lücken in der Wahrnehmung der Krisenvorsorge. Laut einer Forsa-Erhebung im Auftrag der DGUV sieht nur rund ein Drittel der Beschäftigten und Führungskräfte ihr Unternehmen bei Störungen der Lieferketten, Gewaltereignissen oder Stromausfällen gut gewappnet. Im DGUV-Barometer geben die Befragten an, ihre Arbeitgeber seien vergleichsweise gut vorbereitet auf Pandemien, Brände und Cyberangriffe. Deutlich seltener gilt dies jedoch für Naturkatastrophen, länger andauernde Stromausfälle oder komplexe Störungen globaler Lieferketten.
Die Unfallversicherung rückt deshalb verstärkt die Krisenresilienz der Betriebe in den Fokus. „Die Welt verändert sich“, sagt DGUV-Hauptgeschäftsführer Stephan Fasshauer. Neben klassischen Gefahren wie Bränden oder unzureichenden Fluchtwegen gehe es zunehmend um die Folgen digitaler Angriffe, externer Schocks und unterbrochener Lieferketten. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und volatiler Energiepreise wächst aus Sicht der DGUV der Handlungsdruck, Verwundbarkeiten zu erkennen und systematisch abzubauen. Während die klassischen Arbeitsschutzkennzahlen weiter rückläufig sind, bleibt die Frage, wie widerstandsfähig Unternehmen in Deutschland gegenüber zukünftigen Krisen tatsächlich aufgestellt sind.